Moritz Nitsche - 29. Juni bis 31. Oktober 2014 Drucken

„Man nimmt eben das, was da ist“
Bert Neumann

Nitsche Blumen-2004Als Maler - und Bühnenbildner - interessiert mich der Punkt, wo innerhalb eines klar abgesteckten Rahmens bzw. Systems - ich denke, dieser Rahmen ist immer eine Art Grundlage- die reine Form umschlägt in einen Gedanken, bzw. Inhalt. Das Ziel ist es, zu einer Aussagekraft der Form zu gelangen, d.h. zu einer Verbindung von sichtbaren Formaspekten mit jenen der Bedeutungsebenen. Der Gedanke, dass die Vergangenheit nie vergangen ist, interessiert mich nicht nur im Bühnenraum, der ja in jedem Ding Spuren vergangener Geschichten aufleuchten lassen kann, sondern auch bei diesen Arbeiten, die eine (vergangene) Momentaufnahme - allein durch den Arbeitsaufwand - zeitlich zum gegenwärtigen Erlebnis hin ausdehnen. Die Mittel sind konkret, weil es nur das gibt, „was da ist“ - aber die wirklichen Vorgänge und Inhalte existieren in der Phantasie. Ich denke, die Phantasie fängt an dem Punkt an, wo das Bild eine eigene Wirklichkeit hat. „Es ist die Wirklichkeit, welche die Möglichkeiten weckt“, schreibt Robert Musil. Mein Vorhaben ist es, diese Methode der beigefügten Arbeiten auf sehr viel größere Formate zu übertragen, was wiederum eine Überprüfung der Methode selbst und eine Überprüfung bzw. Anpassung der Technik mit sich bringt (in letzter Zeit weckt die Technik des Holzschnitts neue Möglichkeiten) - mit dem Ziel, zu einer Zuspitzung dieser, Warburg würde sagen: „Augenblicksverknüpfung“ der abbildenden mit der ungegenständlichen Realitätsebene im Bild zu gelangen. Von den größeren Formaten erhoffe ich mir die Darstellung des Gesamtbildes mit seinen Bildrändern, gleichzeitig Totale und Nahaufnahme. Wesentlich dabei ist die Beschränkung auf das Notwendige und ein distanzierter Blick.

Dabei liegt das Augenmerk auf der Beschäftigung mit dem technischen Übertragungscode des Rasters, getragen von dem Wunsch dieses System bis zum einzelnen Punkt in Malerei zurückzuverwandeln. Das offensichtliche Interesse am Schwarz/Weiß steht der bildlichen Überfülle unserer Zeit entgegen. Mit den alten
Drucktechniken des Holzschnitts, Holzstichs, Kupferstichs, Punzierstichs und Monotypie - auch diese Verfahren stehen einer unendlichen digitalen Reproduzierbarkeit gegenüber - ist es mein Anliegen und konkretes Arbeitsvorhaben, diese Gegenposition zu vertiefen und klarer zu definieren.

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